Die Sanierung des Strandbades

Der Verfall

Bereits in den 50er Jahren - die Strandgebäude sind gerade erst einmal 20 Jahre alt - zeigen sich erste Verfallserscheinungen, die in der besonderen Bauweise begründet sind. In das Stahlskelett von guter Qualität wurden die gelben Ziegel eingemauert. Immer an Sonnentagen zeigt sich, dass sich die verschiedenen Materialien unterschiedlich ausdehnen. Nach gutachterlichen Vorschlägen werden Dehnungsfugen eingebaut. Diese Arbeiten tragen aber eher zur Verschlechterung des Bauzustandes bei. 20 Jahre später nackte Stahlskelette bieten keinen Wetterschutz mehrwerden weitere Fugen eingebaut, die den Verfall aber nicht stoppen können. So verfällt die Anlage zusehens, und zum ersten mal sieht man den Saisonbeginn gefährdet.

1983 wird das Strandbad Wannsee für denkmalschutzwürdig befunden, was aber der anstehenden Sanierung nicht förderlich ist. Der Landeskonservator legt sein Veto gegen angeblich zu kleine nachbestellte Ziegel ein, die deshalb nicht verwendet werden und 15 Jahre lang ihre Wetterbeständigkeit in einer stillen Ecke beweisen können. So werden aus Sicherheitsgründen die Galerien abgerissen und nackte Stahlskelette zeigen die Grundkonstruktion.

Als dann der Landeskonservator doch zu den zu kleinen Ziegeln sein ok. gibt, hat das Bezirksamt kein Geld mehr und es passiert wieder jahrelang nichts.

Die Kosten der Gesamtsanierung werden 1994 auf mittlerweile 30 Millionen Mark geschätzt, das Bezirksamt will für zweieinhalb Jahre das Bad schließen und sanieren. Dazu kommt es nicht, denn 1996 geht das Strandbad wie alle öffentlichen Bäder Berlins in die neu gegründeten Berliner Bäder-Betriebe über. Im Winter 2001 werden durch einen Brand auch noch die Wannseeterrassen zerstört. Durch unzureichende Mittelbereitstellungen, fehlende Sanierungen und starke Beanspruchungen in den vergangenen Jahrzehnten hatte das Strandbad Wannsee 2003 einen geschätzten Sanierungsstau von ca. 25 Mio. Euro erreicht.

Notwendige Sanierungsmassnahmen

Durchgeführte Teilsanierungen erwiesen sich für einen Erhalt des Strandbades Wannsee als nicht ausreichend. Rekonstruktion der Hallen innen Die Bäder-Betriebe konnten die dringend notwendigen finanziellen Mittel in der entsprechenden Höhe nicht allein erbringen und der schlechte Zustand des Bades erhöhte den Druck auf die zuständigen Denkmalbehörden des Senates und weiterer Gremien.
Ab dem Jahr 2000 wurde intensiver nach Möglichkeiten für eine Sanierung gesucht. Unter Beteiligung der Stiftung Denkmalschutz Berlin, mit ca. 8,5 Mio. Euro für die Sanierung von zwei Hallen und den davor liegenden Wandelgängen im EG und OG und der weiteren Sanierung der Entwässerungsschächte für Schmutzwasser Mittelbereitstellung durch Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz für Teile der Infrastruktur wurde 2004 aktiv mit der Sanierung begonnen. Zwei weitere Sonnendecks der Hallen A bis D werden instandgesetzt. Durch die Senatsverwaltung für  Stadtentwicklung und Umweltschutz werden 4 Mio. Euro für die Instandsetzung von Teilen der Infrastruktur zur Verfügung gestellt. Hierzu zählen eine Sanierung aller Stützwände in der Hanglage hinter den Bauwerken, das Trinkwassersystem, des Abwassersystem, des Gassystem mit den Heizanlagen und die Regenentwässerung.
Für den Bereich des Restaurants „LIDO“ war die Übernahme der Kosten von ca. 3,5 Mio Euro durch einen zu suchenden Investor zur Sanierung dieses Bereiches angedacht. Leider führte diese Variante, nicht zum gewünschten Erfolg. Derzeit laufen Verhandlungen mit weiteren Interessenten um zumindest die Sanierung des Restaurants LIDO allein zu ermöglichen.
Durch die Bäder-Betriebe werden alle notwendigen allgemeinen Wartungen und Instandsetzungen zur normalen Betriebsführung abgesichert. Weiterhin wird die Gestaltung wesentlicher Teile der Parkanlagen in Zusammenarbeit mit unserer Abteilung Grünflächen und Kräften der Stiftung Denkmalschutz Berlin organisiert. Zusätzlich mussten in diesem Jahr allein ca. 100.000 Euro für die  Neuerrichtung der einsturzgefährdeten Treppe 6.1 (linke Haupttreppe Halle C) aufgebracht werden.

Stand der Baumaßnahme Ende 2006

Die Sanierung der Stützwände ist fast abgeschlossen. Im Bereich Halle C wird die alte Ladenstrasse wieder vollständig Neuverlegung der Rohrleitungen im Strandbereich aktiviert. Die Ausschreibungen sind erfolgt und die Pächter wurden ausgewählt. Künftig wird es in der Ladenstrasse nachfolgende Einrichtungen in einem angenehmen Ambiente geben: Cafeteria, Pizzeria, Eisdiele, Imbiss mit angegliedertem Fischimbiss, Massage / Heilpraktiker-Praxis, Friseur / Kosmetik und Strandladen.
Die freien Hallenkapazitäten der Halle A und D sind entsprechend der erarbeiteten Nutzungskonzepte derzeit in den Verhandlungen mit unterschiedlichen Interessenten und Nutzergruppen. Die Vermarktung aller Herstellung des oberen Wandelganges Bereiche für interessante Nutzungen aus dem Wellness- und Fitnessbereich sowie Medizin-Bereiche ist angedacht. Die Ausschreibung zur Vergabe des Bootsverleihs läuft derzeit. Weiterhin soll zusätzlich eine Segel –und Surfschule u.a. in den Bereich des Strandbades Wannsee integriert werden.
Nach dem derzeitigen Stand kann eingeschätzt werden, das bei einem normalen Winterablauf, unsere gestellten Ziel bis Mai 2007 erreicht werden. Alle Beteiligten setzen aber auch künftig ihre Möglichkeiten dafür ein, damit auch die dann noch zu entwickelnden und zu sanierenden Bereiche des Strandbades Wannsee fortgeführt werden können. Ziel dabei ist es das Strandbad Wannsee allumfassend zu sanieren und zu nutzen.

Der Zustand im Mai 2007

Vieles ist geschafft, einiges konnte nicht umgesetzt werden. Die Wannseeterrassen präsentieren sich nach wie vor in einem erbärmlichen Zustand, denn für das Lido konnte kein Pächter gefunden werden. So bleibt auch der überwiegende Teil der 4 sanierten, zweigeschossigen Hallen ungenutzt. Verantwortlich für den derzeitigen Zustand sind unterschiedliche Sichtweisen des Vorstandes der Berliner Bäder-Betriebe und der Stiftung Denkmalschutz Berlin, die sich in der letzten Zeit eher noch verhärtet haben. So ist es nicht verwunderlich, das der zuständige Sportsenator Dr. Erhard Körting darüber nachdenkt, das gesamte Strandbad Wannsee an einen finanziell potenten Investor zu verpachten.

©Bildnachweis:
Bild 1,2 - Berliner Bäder-Betriebe
Bild 3 - Roman Schulze
Bild 4,5 -Joachim Preussler


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