Die Zeit bis heute
1945 - Berlin hat
unter den Kriegsfolgen sehr gelitten, die Bevölkerung hat sich nahezu halbiert, rund ein Drittel des gesamten Wohnungsbestandes ist
total zerstört bzw. schwer beschädigt. Die Infrastruktur liegt am Boden, der öffentliche Nahverkehr ist fast vollständig außer
Betrieb. In dieser Zeit der Opfer und Entbehrungen ist das Strandbad Wannsee für viele das Fluchtziel aus diesem schrecklichen Alltag,
für einige Stunden eine Rückbesinnung auf schöne Zeiten und ein Funken Hoffnung. Die Öffnung des Strandbades ist durchaus im Sinne
der Besatzungsmächte, um einer drohenden Agonie in der Bevölkerung vorzubeugen.
Am 1. Juni 1947 strömen 51.000 Berliner ins Strandbad Wannsee, im 2. Jahr nach Kriegsende zählt das Bad schon wieder rd. 640.000 Besucher.
Ebenfalls in diesem Jahr brennt das Strandrestaurant Lido durch einen Kurzschluss ab, 3 Jahre später ist es wieder aufgebaut.
In diese Zeit passt auch das Lied der Conny Froboess "Pack die Badehose ein", das so
sehr dem Zeitgeist der Berliner Anfang
der 50er Jahre in ihrem Wunsch nach etwas Abwechslung im positiven Sinne verspricht. Und es
passt zu der Stadt, für die das Strandbad Wannsee das Ausflugsziel schlechthin ist. Selten wurde das Strandbad außerplanmäßig
geschlossen, aber es gab solche Zeiten. Während der Blockade von Westberlin gab es immer wieder Stromabschaltungen. Da dann auch die
Abwasserpumpen im Bad nicht liefen, musste das Strandbad Wannsee geschlossen bleiben, um einer Verschmutzung des Wannsees
vorzubeugen. Auch die Vorkommnisse mit verirrten Projektilen aus dem nahegelegenen Schießstand der Amerikaner sorgten für eingeschränkten
Badebetrieb 1952 und eine mächtige propagandistische Welle aus dem Ostteil der Stadt. Denn den Sowjets war es ein Dorn im Auge, das
nach der Berlin-Blockade aus den westlichen Besatzungsmächten Schutzmächte geworden sind, die zunehmend als Bereicherung des
Lebens im Westteil der Stadt empfunden wurden.
Im Laufe der Jahrzehnte verzeichnet das Strandbad Wannsee generell rückläufige Besucherzahlen. Das hat vielerlei Ursachen: Zum einem bekam es
Konkurrenz durch den Bau weiterer Freibäder wie dem Prinzenbad, dem Insulaner, dem Lochowbad, dem Columbiabad und den 4 Kombibädern in
Westberlin. Zum anderen ermöglicht der wachsende Wohlstand den Berlinern, andere Urlaubsziele in Europa und Übersee anzusteuern.
Irgendwann wurde auch die direkte Busverbindung zum Strandbad durch die BVG gekappt, was diesen Trend noch unterstützte. Über die
Besucherzahlen wurde und wird genau Buch geführt, so konnte 1973 der 28 Millionste Besucher begrüßt werden.
Auch nicht zu unterschätzen bei der Betrachtung der Besucherzahlen ist der schleichende Verfall der Strandgebäude, doch das ist Inhalt eines
anderen Kapitels. Nach wie vor ist das Strandbad Wannsee das bestbesuchte Bad in Berlin, obwohl es wohl nie mehr an die
Besucherrekorde vergangener Zeiten herankommt.
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1. Bild - keine Urheberangaben vorhanden
2. Bild - alte Postkarte