Die Zeit bis 1945
Im Jahr 1930gab
es hinsichtlich der Besucherzahlen immer wieder Rekorde. Die Berliner wollten unbedingt ihr neues Strandbad sehen und wenn das
Wetter mitspielte, sah es am Strand schon mal so aus:
Aber es war auch die Zeit des Nationalsozialismus. So gab es in dieser Zeit immer wieder Schlägereien zwischen diesen politischen
Gruppen und ebenso dem Badpersonal, die auf Dauer dem Strandbad in seinem Ansehen schadeten und auch den guten Ruf des Badleiters
Hermann Clajus beschädigten. Er machte sich neben seinem Engagement für sein Strandbad und dessen Besucher auch dadurch verdient, das in
seiner Amtszeit neben dem Strandbad eine Ferienkolonie errichtet wurde, die Berliner Kindern aus den Mietskasernen bei guter
Verpflegung ein paar schöne Wochen bot. Nach dem Reichstagsbrand 1933 haben die Nazis Oberwasser, Kommunisten werden verfolgt und im Wahlkampf um
die Stadtverordneten-versammlung wird zunehmend Druck auf SPD-Mitglieder ausgeübt. Immer lauter wird der Vorwurf der
NS-Propaganda gegen Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes der Stadt, sie wären korrupt und marxistisch und jüdisch unterwandert. Der
Sozialdemokrat Hermann Clajus ahnt, dass er nicht mehr lange im Wannsee die Geschicke in den Händen hält und nimmt sich noch vor den anrückenden SA-Truppen
das Leben.
Das Strandbad gefiel den Nazis schon wegen des undeutschen Baustils nicht - eine Zeitlang war ein
Schild am Eingang: "Zutritt für Juden verboten" aufgestellt. Vor den olympischen Spielen wollte man sich weltoffen zeigen. So wurde
dieses Schild wieder entfernt, doch ab 1938 war Juden per Gesetz der Zutritt nicht gestattet.
In der kommenden Zeit wird das Badpersonal weitgehend durch treue Parteigenossen ersetzt,
1935 wird die gemeinnützige Strandbad Wannsee-GmbH liquidiert und geht in die Bezirkshoheit des Bezirksamtes Wilmersdorf über. 1937
kommt es wegen einer Neugliederung der Bezirke zum Bezirksamt Zehlendorf. Das Strandleben wird zunehmend durch
NS-Gedankengut bestimmt. Wehrmachts- und SA-Kapellen spielen zu deutschen Tänzen auf, die Organisation KdF (Kraft durch Freude)
bietet Gymnastikkurse an. Auch nach Ausbruch des Krieges wird den Berlinern in ihrem Strandbad die Illusion einer heilen Welt
vermittelt, denn hier können sie sich immer noch ungestört erholen und amüsieren. Bis Kriegsende verzeichnet das Strandbad hohe
Besucherzahlen, 1944 immerhin noch rd. 425.000 Besucher. Es hat Glück und wird von den vielen Luftangriffen nicht getroffen.
©Bildnachweis:
1. Bild - Ullsteinarchiv (keine weiteren Angaben verfügbar)