Die Zeit bis 1930
Nach dem 1. Weltkrieg gewann das Bad immer mehr an Bedeutung bei den Berlinern und den Bewohnern des Umlandes. Der 1920 gebildete
Magistrat von Groß-Berlin übernahm es 1924 als einen Teilbetrieb der Städtischen Forstverwaltung in kommunale Regie, nachdem
der
Pachtvertrag erloschen war. Einen herausragenden Anteil an der Entwicklung des Strandbades Wannsee hatte der Stadtverordnete und
spätere Geschäftsführer der 1926 gegründeten"Freibad
Wannsee GmbH", Hermann Clajus, der bis zu seiner "Entlassung" durch das NS-Regime das Strandbad leitete. 1928 führte der Magistrat den
offiziellen Namen "Strandbad Wannsee" ein.
Im Jahr 1924 wurden die Umkleidezelte durch strohgedeckte Holzbauten von Ludwig Hoffmann ersetzt; die bisher unzureichenden sanitären Anlagen wurden erneuert
und erweitert.
Der Badestrand wurde auf 800 Meter ausgedehnt und die gesamte Anlage war das ganze Jahr geöffnet. Sie stand also auch für Winterbaden und
Eislaufen zur Verfügung. Allmählich wurde Wannsee zu einem Musterbad. Die Besucherzahl erhöhte sich bis 1927 auf 900.000 und
stieg weiter, als 1928 die elektrifizierte S-Bahnlinie Potsdam - Erkner und ihr Vorortbahnhof Wannsee in Betrieb genommen wurden.
Diesem Besucheransturm waren die Hallen nicht mehr gewachsen, zu allem Unglück brannte einer der kleinen Holzbauten auch noch ab.
Aus
dieser Sachlage heraus beauftragte der Berliner Magistrat die Architekten Richard Ermisch und Martin Wagner mit den Entwürfen für
einen großzügigen Aus- und Neubau. Beide standen seit langen Jahren in städtischen Diensten und waren im öffentlichen Bauen erfahren.
Martin Wagner war für die Gesamtplanung der neuen Anlage verantwortlich, während Richard Ermisch sie architektonisch
ausgestaltete. Die Neubauten waren im Stil der Neuen Sachlichkeit gehalten.
Vier zweigeschossige Hallen, von Nord nach Süd flach nebeneinandergestellt, wurden errichtet - eine Stahlskelett-Konstruktion, mit gelben, weiß verfugten Klinkern
ausgemauert und in den Uferhang hineingebaut. Vertikal wurde dieser Gebäudekomplex durch Treppen zwischen den Hallen gegliedert.
Verbunden waren die 4 Gebäude durch einen vorgelagerten Wandelgang mit geschlossener Decke. Die Dachflächen waren als Sonnenterassen
nutzbar.
Leider machte die beginnende Weltwirtschaftskrise den Architekten einen Strich durch die Rechnung. Der überwiegende Teil ihres
Projektes wurde nicht verwirklicht. Für das Strandbad hatten sie eine Bausumme von 5 Millionen Reichsmark geplant, verbaut wurden 2
Millionen. Selbst diese Summe stand auf der Kippe, nur eine vor-Ort-Begehung durch den
Bürgermeister,
bei der er sich von dem bereits sehr weit fortgeschrittenen Bau überzeugen konnte, brachte letztlich die Zustimmung für die
Fertigstellung der abgespeckten Variante. Ursprünglich waren fünf weitere Hallen, ein großer Rundbau als Hauptrestaurant, eine in den
See hineinragende Brücke mit einem Café, ein Hafen für Segelboote und ein Freilichttheater geplant. Auch an medizinische Bäder, einen
Kindergarten und einen pensionsartigen Hotelbetrieb hatten Wagner und Ermisch gedacht. Mit den Strandbauten wurde 1929 begonnen und
bereits 1930 wurden sie ihrer Bestimmung übergeben.
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Ausstellungskatalog Landesarchiv: Vor 75 Jahren ...
Groß-Berlin entsteht
Archiv Klaus Röske/Strandbad Wannsee
Bernhard Wagner, "Martin Wagner – Leben und Werk",
Berlin 1985.