Die Zeit bis 1915
Gegen diesen Ansturm
auf
das Havelufer waren die Behörden machtlos, und so gaben sie im Frühjahr 1907 nach und
ein
200 Meter langer Uferstreifen wurde als öffentliche Badestelle ausgewiesen. Der Landrat des Kreises Teltow, von Stubenrauch - eine
Respektsperson vom Scheitel bis zur Sohle - hatte sich mit aller Energie für die Errichtung des Freibades eingesetzt. Von ungeniert
baden konnte aber trotzdem keine Rede sein, denn nach der Polizeiverordnung war die Badebekleidung streng
vorgegeben.
Interessierte Geschäftsleute wollten das
Freibad pachten. Im Jahre 1909 kam es dann auch zu einem Pachtvertrag zwischen der königlichen Regierung und dem Kaufmann
Frankenthal aus Nikolassee. Das "Freibad Wannsee", wie es jetzt hieß, bestand aus je einem Herren-
und Damenbad, jeweils 65 m lang, dazwischen lag das Familienbad mit einer Länge von 350 m. Die Bäder waren
durch hohe Holzzäune (mit Astlöchern natürlich!) voneinander getrennt. Zum Aus- und Ankleiden wurden große Umkleidezelte errichtet, Kioske
und fliegende Händler machten ihre Geschäfte. Diese Zelte standen am Fuß des zum Strand steiler abfallenden Grunewaldes und waren den
Herren, Familien und
Damen zugeordnet. Das gesamte Gelände war auch umzäunt, um Schaulustige abzuhalten. Jetzt kostete der Besuch des Bades auch Eintrittsgeld.
Obwohl bereits 1910 die Bedeutung der Erholung für die Berliner im Freien allgemein anerkannt war, blieb ein von Martin Wagner, dem
späteren Stadtbaudirektor, 1915 aufge-stellter Plan für ein bebautes Freibadgelände durch die Auswirkungen des 1. Weltkrieges Makulatur.
Dieses Foto aus dem Jahr 1908 hat folgenden Text: "Oma wagt sich ins Freibad und fotografiert - was übrigens verboten war".
©Bildnachweis:
Ullsteinarchiv (keine weiteren Angaben verfügbar)
Luftaufnahme: Berliner Bäder-Betriebe